“Wir sind mehr als ein Steak-Haus”
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. September
Das Unternehmergespräch: Eugen und Dirk Block, der Gründer und der Vorstandsvorsitzende der Block-Gruppe. Was mit einem Restaurant begann, ist heute ein Gastronomie-Imperium. Die Gründerfamilie hat dennoch ihre Liebe zum Detail bewahrt.
HAMBURG, 12. September.
Er sei auch “Tischphilosoph”, sagt Eugen Block. Wer sein Leben lang Restaurants eingerichtet hat wie der Gründer der Steakhauskette Block House, kennt sich eben aus mit Tischen. In sein Büro hat er für Gespräche ein rundes Exemplar gestellt. Praktisch, weil jeder alle anderen Teilnehmer der Runde ansehen könne. Aber auch problematisch, weil er immer sagen müsse, wer wo Platz nehmen dürfe. Block handhabt das auf seine Weise: “Besucher sitzen so, dass sie in den Raum hineingucken.” In seine Restaurants kommen ihm aber keine runden Tische. “Die trennen Menschen in manchen Situationen zu stark”, erklärt er. Quadratische Tische seien kommunikativer, man sitze enger mit seinem Gegenüber zusammen. Deshalb gibt es nur die viereckigen Tafeln im Block Haus - standardmäßig mit massiver Eichenholzplatte, 6 Zentimeter stark.
Das ist symptomatisch für Block und seine Unternehmensgruppe. Alles ist durchgeplant, bis ins letzte Detail - vieles vom Chef selbst. Sein Büro in der Unternehmenszentrale ist an der Tür zu erkennen. Es ist die einzige aus hellem Schweizer Arvenholz, mit dem auch die Wände seines Raumes ausgekleidet sind. Axel Springer habe sich im Berliner Springer-Haus eine Bibliothek im selben Stil einrichten lassen, erzählt Block. Sein Büro nennt er liebevoll “meine Unternehmerwerkstatt”.
Dort hat er am Schreibtisch die Teile ersonnen, die heute die Block-Gruppe bilden. Was 1968 mit einem Steakhaus im Hamburger Stadtteil Winterhude begann, ist längst zu einem kleinen Imperium gewachsen. Dazu gehören nicht nur 39 Block-House-Restaurants, sondern auch eine Großschlachterei, ein Technikdienstleister, eine Vertriebsgesellschaft, die Saucen, Gewürze und Tiefkühlprodukte an Supermärkte liefert, ein Fünf-Sterne-Hotel mit mehr als 500 Zimmern und eine Sammlung mit 600 Gemälden und Skulpturen norddeutscher Künstler des 20. Jahrhunderts. 19 Gesellschaften mit mehr als 1700 Beschäftigen bilden die Firmengruppe. “Das Unternehmen ist so vielfältig geworden, weil mich alles gereizt hat”, erklärt Block. “Wir hätten heute 100 Block-Häuser haben können, wenn wir uns nur darauf konzentriert hätten. Aber dafür war ich zu unternehmerisch”, sagt er - und klingt für einen Moment so, als wolle er sich dafür entschuldigen.
Eingefahrenes möge er nicht allzu lange. “Dann suche ich mir lieber etwas Neues”, sagt Block. Als seinen Erfolg verbucht er dabei, dass alle Teile der Block-Gruppe Gewinn abwerfen. Nur einmal habe er sich ein bisschen verzettelt, als er sich 1988 mit der eigenen Fluggesellschaft, Hamburg Airlines, versuchte. Nach neun Jahren zog er sich wieder aus dem Luftfahrtgeschäft zurück.
Steaks grillen, Flugzeuge starten lassen, Saucen abfüllen - all das hatte Block am Beginn seiner Karriere nicht im Sinn. Er wollte Hoteldirektor werden - am besten schon mit 30 Jahren eine eigene Herberge besitzen. Doch dafür fehlte dem gelernten Hotelkaufmann das Geld. Das verdiente er sich mit seinen Steak-Restaurants. Die Idee dafür kam ihm während einer frühen Berufsstation in Amerika. Mit großer Begeisterung habe er mehrfach mit Freunden in einer Blockhütte Steaks gegessen. “Und weil ich Block heiße, stand der Name für das Unternehmen schnell fest”, erzählt er.
Der Anfang geriet jedoch holprig. Am Eröffnungstag ließ ihn der Koch im Stich, weil er sich dem Ansturm nicht gewachsen sah. “Der hat sich platt wie ein Pfannkuchen auf den Küchenboden gelegt und ,Ich kann nicht mehr’ gejammert”, erinnert sich Block. Um niemanden hungrig wegzuschicken, stellte sich der Firmengründer selbst an den Grill. Nach wenigen Jahren warfen die Steak-Restaurants dann so viel Gewinn ab, dass Block sich seinem Hoteltraum widmen konnte. Über zehn Jahre kaufte er benachbarte Grundstücke, bis er die nötige Fläche für sein Elysée-Hotel besaß. 1985 eröffnete das Fünf-Sterne-Haus in Sichtweite des Hamburger Dammtor-Bahnhofs. Aber noch bevor der erste Gast sein Zimmer bezog, sinnierte er Freunden gegenüber, dass das Hotel eigentlich doppelt so groß sein müsste. In jahrelangen Gesprächen rang er der Stadt das Nachbargrundstück ab.
Im Jahr 2005 - 30 Jahre nachdem er mit den Plänen für die Herberge begonnen hatte - wuchs das Elysée zum Grand Elysée. Heute ist die Bundesliga-Mannschaft des HSV vor Heimspielen Stammgast im Hotel. Auch die deutschen Bischöfe holte sich der Katholik Block ins Haus, als sie vor zwei Jahren in Hamburg konferierten.
Wegbegleiter sehen in der Hotelgeschichte den Beleg, dass Blocks Mutter richtig lag, als sie ihren Filius zuweilen “Bohrer” nannte. Was er sich einmal in den Kopf gesetzt hat, daran hält er fest - mit Leidenschaft und mit der ihm eigenen Liebe zum Detail. Er bestimmte selbst, wie die Möbel in den Suiten stehen, wählte Stoffe für Vorhänge und Bezüge aus. Zuletzt ließ er die Fensterrahmen von weiß auf schwarz umlackieren, weil es von außen schöner aussehe. Mancher Hanseat sagt deshalb über ihn, Eugen Block habe vier Kinder - zwei Söhne, eine Tochter und ein Hotel.
Einem seiner Söhne, Dirk Block, hat der Vater vor einigen Jahren den Vorstandsvorsitz der Firmen-Gruppe übergeben. Der 35 Jahre alte Juniorchef hat sich zum Ziel gesetzt, die weißen Flecken auf der Block-House-Landkarte zu füllen. “Wir haben aber einen hohen Anspruch, wollen nur beste Lagen, zum Beispiel am Marktplatz oder beim Rathaus”, sagt er. Derzeit suche man in Köln, Würzburg und Augsburg. Bis zum 50-jährigen Bestehen des Unternehmens im Jahr 2018 will Dirk Block das 50. Restaurant eröffnen - getreu seinem Motto: “Wir sind mehr als ein Steakhaus, wir sind das Block House.” Außerdem soll der Ableger Jim Block langsam expandieren, der bislang nur in Hamburg in sechs Filialen amerikanische Burger anbietet. Forsches Wachstum sieht anders aus. Allerdings berichtet Dirk Block stolz, dass das Unternehmen in 42 Jahren in Deutschland noch nie eine Filiale schließen musste, weil sich das Geschäft dort nicht mehr lohnte.
Vater Block hat sich indes weitgehend aus dem Hauptgeschäft zurückgezogen. Dennoch kommt er noch fast täglich in seine “Unternehmerwerkstatt”, um sein jüngstes Projekt zu vollenden. “Block-Bräu, ein naturtrübes Bier, wir werden überrannt werden”, sagt er über das neue Lokal mit eigener Brauerei, das im März 2011 an den Landungsbrücken der Hafendampfer eröffnen soll. “Links hinter einem Steinbogen die Speisentheke, rechts der Ausschanktresen, dahinter ein moderner Glaskühlraum mit den Ausschanktanks. Und wenn man weiterguckt, blickt man durch die Fenster auf die Elbe”, schwärmt er - und der Zuhörer ahnt, dass Block in seinen Planungen wieder kein Detail vergessen hat. Doch eine Sache ist noch nicht geklärt: Block sinniert noch darüber nach, wie die Block-Bräu-Gläser aussehen sollen. TIMO KOTOWSKI
Das Unternehmen
Eugen Block eröffnete 1968 in der Hamburger Dorotheenstraße sein erstes Block House. Damit legte er nicht nur den Grundstein für
sein Unternehmen, sondern etablierte auch das amerikanische Konzept der Steak-Häuser in Deutschland. Bis heute ist die Kette
auf 39 Filialen gewachsen und hat viele Wettbewerber auf den Plan gerufen. Mittlerweile zählen zur Block-Gruppe 19 Unternehmen -
darunter auch Deutschlands größtes unabhängiges Fünf-Sterne-Hotel. 2009 wurden 229 Millionen Euro Umsatz erzielt.
Die Unternehmer
Mit Dirk Block steht heute der 35 Jahre alte Sohn des Gründers an der Spitze der Block-Gruppe. Vater Eugen Block übertrug ihm vor
einigen Jahren die Leitung. Ganz zurückgezogen hat sich der Seniorchef, der an diesem Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert,
dennoch nicht. Während die Suche nach neuen Restaurant-Standorten Sache des Sohnes ist, arbeitet der Vater an einem neuen Ableger mit dem Namen Block. Im Frühjahr 2011 will er an den Hamburger Landungsbrücken eine Privatbrauerei eröffnen.










