Hilmar Kopper rechnet ab

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Dezember 2010

Der Aufsichtsratsvorsitzende der HSH Nordbank musste gegen seine eigene Überzeugung die Abberufung von Vorstandschef Nonnenmacher vorantreiben. Nun attackiert er die Anteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein und weist Prevent die Verantwortung für die Spitzel-Affäre zu.

Hilmar Kopper schweigt nicht mehr. Nachdem lange – Kritiker meinen, zu lange – kaum Worte des Aufsichtsratsvorsitzenden zu Skandalen und Affären der HSH Nordbank zu vernehmen waren, lässt er nun seinem Unmut, wie mit dem von ihm kontrollierten Institut in der Öffentlichkeit umgegangen wird, freien Lauf. Barsch attackiert der 75 Jahre alte Manager die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein und die Sicherheitsfirma Prevent. “Die Crux der HSH sind die Eigner”, sagt Kopper. Wenn es nach ihm ginge, würde er die Mitsprache der Länder, die noch 85,5 Prozent der Anteile halten, schnell beschneiden. “Die Abgabe der Aktienmehrheit durch Hamburg und Schleswig-Holstein würde ich gern beschleunigen”, verkündet er. Einen Einstieg chinesischer Banken könne er sich vorstellen.

Koppers Abrechnung scheint wohl kalkuliert und terminiert. Eine halbe Woche nachdem der Aufsichtsrat beschlossen hat, den Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher – dem Kopper nach eigenen Worten weiter professionell wie charakterlich vertraut – zum 31. März 2011 abzuberufen, holt der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank aus. Ort seines Rundumschlags ist das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel”. Im Interview mit dem Magazin, das selbst mit seiner Berichterstattung die Landesbank ein ums andere Mal erschütterte, echauffiert er sich über norddeutsche Politiker. Über “deren Tonalität” sei er bisweilen schon entsetzt, sagt Kopper: “Da raste ich manchmal auch aus – als Staatsbürger, nicht als Banker.” Die Regierungschefs von Hamburg und Schleswig-Holstein Christoph Ahlhaus und Peter Harry Carstensen (beide CDU) hatten zuerst das Vertrauen in den unter Dauerbeschuss stehenden Nonnenmacher als “erheblich strapaziert” bezeichnet und Anfang November dessen Ablösung gefordert.

Trotz der Spannungen zwischen Politik und Bank will Kopper nicht den Rückzug antreten. “Ich bin hier nicht angetreten, um auf halber Strecke abzuspringen”, sagte er zu Spekulationen, er könnte aus Verärgerung über die eingeforderte Trennung von Nonnenmacher die HSH verlassen. Der Chefaufseherposten sei nicht sein bislang anstrengendstes Amt, sondern nur “besonders unangenehm”. Er müsse sich dauernd mit Dingen beschäftigen, mit denen er eigentlich nichts zu tun habe. “Ich fühle mich wie die Trümmerfrau, die nun saubermacht”, sagt er. Für den Hausputz will er sich auch nach dem Antritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Paul Lerbinger, der zum 1. April 2011 den Posten übernimmt, viel Zeit nehmen. “Ich werde jedenfalls länger bleiben, als ich ursprünglich wollte”, sagte Kopper.

An der Spitzel-Affäre hat aus Sicht des Aufsichtsratsvorsitzenden die Sicherheitsfirma Prevent einen großen Anteil. “Die Spinne heißt Prevent, glaube ich. Die Firma wollte sich wohl auch unersetzlich machen”, lässt er sich zitieren. Die HSH hatte sich von mehreren Managern getrennt, nachdem belastendes Material gegen sie aufgetaucht war. Kopper sagte, aus heutiger Sicht sei es ein “Fehler” gewesen, Prevent zu beauftragen. Die Firma scheine derart unter Druck gestanden zu haben, dass sie meinte, “Erfolgsmeldungen produzieren zu müssen”. Prevent bestreitet dagegen, illegale Methoden angewendet zu haben. Das Unternehmen hat die HSH auf Honorarzahlungen in Höhe von 800 000 Euro verklagt.

Die Bank hatte ihre Zahlungen eingestellt, nachdem Wirtschaftsprüfer auf “Ungereimtheiten” gestoßen waren. Außerdem hat die HSH ihrerseits Anzeige gegen Unbekannt gestellt wegen des Verdachts der Untreue und der Bestechung. Konkret geht es dabei um Vorgänge im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit mit einem türkischen Reeder. Prevent hatte dazu einen Auftrag mit dem Codenamen “Shisha” erhalten. Nach Angaben der Bank flossen Zahlungen für ein vermitteltes wertloses Gutachten, zudem habe Prevent ein Erfolgshonorar in Millionenhöhe erhalten, obwohl die Bank den Rechtsstreit in letzter Instanz nicht gewonnen hat.

Obwohl Kopper Fehler der HSH einräumt, ist er offensichtlich nicht zu Worten der Entschuldigung im Namen der Bank bereit – auch nicht an den entlassenen IT-Vorstand Frank Roth. Die Bank hatte ihm Geheimnisverrat vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Kiel sah Roth jedoch als Opfer falscher Verdächtigungen. Nun sagt Kopper, die Vorgänge um Roth täten ihm leid, entschuldigen sollten sich aber diejenigen, die die Vorwürfe gegen das ehemalige Vorstandsmitglied erhoben hätten. Vor Monaten hatte Kopper noch Einigungsversuche Roths zurückgewiesen.

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