Der Querdenker der Urlaubswelt

F.A.Z. vom 10. März 2012 Er hat es wieder einmal geschafft – ein markiges Zitat, und schon war Willi Verhuven, dem Gründer und Eigentümer des Reiseveranstalters Alltours, viel Aufmerksamkeit sicher. Die Bundesregierung und die EU sollten sich „schnell an einer Imagekampagne für Griechenland finanziell beteiligen, nachdem das Land jahrelang schlecht geredet wurde“, forderte Verhuven.

Per Pressemitteilung, die er passend zum Auftakt der Tourismusmesse ITB verbreiten ließ. Andere Reiseveranstalter verbreiteten derweil Angebote, um Urlauber zu einer Reise auf die Inseln der Ägäis zu locken – zu Preisen, die offenlassen, ob damit viel Geld zu verdienen ist. Verhuven ist in der Reisebranche als Querdenker bekannt, der zuweilen einen anderen – aus Sicht seiner Wettbewerber verwunderlichen – Blick auf die Branche wagt.

Mal ging es um jene Fluggesellschaften, die mit Niedrigpreisen um Kunden buhlen. Denen rief er zu: „Flugtickets für 19 oder 29 Euro sind unverantwortlich.“ Ein anderes Mal rügte er neue Hotelkonzepte, die erholsame Ferien für Paare ohne Kinder in den Mittelpunkt rücken. „Das Merkmal ,ohne Kinder‘ ist für mich beinahe asozial. Kinder gehören doch zu unserer Gesellschaft dazu“, sagte er im vergangenen Sommer. In seinen kritischen Branchenbeobachtungen neigt er zu einer moralisierenden Note.

Wenn Verhuven, dessen erste organisierte Pauschalreise 1975 auf die Insel Mykonos führte, nun bekundet, wie sehr ihm griechische Hoteliers leid tun, deren Zimmer wegen der Zurückhaltung der Deutschen leer bleiben, attestieren ihm Beobachter: „Der meint das tatsächlich ernst.“ Nur vereinzelt ist der Hinweis zu hören, dass es gerade Verhuvens Veranstalter Alltours war, der für diese Saison die Kapazitäten in Griechenland aufstockte, nachdem Rivalen wie TUI 2011 beachtliche Wachstumsraten auf den Inseln von Korfu bis Kreta erzielt hatten. Für Verhuven, der, gemessen an Umsatz, Buchungszahlen und Gewinn, für 2011 Rekordwerte auswies, war Griechenland kein wesentlicher Wachstumstreiber.

Verhuven hat in der Branche Kritiker, die ihm vorwerfen, mit seinen äußerst knappen Kalkulationen im Reisegeschäft die Margen zu ruinieren. Weniger als ein Prozent Rendite kennzeichnen viele Jahre seiner Unternehmerlaufbahn. Doch es gibt auch eine andere Sichtweise. Vor allem die großen Rivalen, die mit viel mehr Personalaufwand Urlaubserlebnisse für die Deutschen planen und verkaufen, erwähnen sie weniger gern. Denn Alltours arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten durchgängig profitabel – Konzerne wie TUI oder Thomas Cook können das nicht von sich behaupten.

Was der 1950 geborene Touristiker, der 1974 mit einem einzigen Reisebüro in Kleve seine Laufbahn im Reisegeschäft begann, aufgebaut hat, will er wohl auch deshalb nicht seinen Konkurrenten überlassen. Alltours, der größte von einem Alleinunternehmer geführte Reiseanbieter Deutschlands – aktuell die Nummer fünf der Branche -, stehe nicht zum Verkauf, hat er Wettbewerber wissen lassen. Die hatten bei ihm angeklopft, nachdem er 2010 angekündigt hatte, seinen Rückzug zu planen.

Bislang zeigt er allerdings keine Ermüdungserscheinungen. Auf der ITB ließ er die Journalisten wissen, wie viel Spaß ihm die Beantwortung auch der kritischen an ihn gerichteten Fragen mache. Er sei längst nicht in dem Alter, um sich völlig zur Ruhe zu setzen, er wolle lediglich etwas weniger arbeiten, sagte er. Verhuven strebt die Gründung einer Stiftung an. Die Vorstellung einer Kombination von Wohltaten und Reisegeschäft gefällt ihm, der schon manches Projekt in seiner Heimatstadt Kleve finanziell unterstützt hat.

Vor einem Jahr hat er einen Alltours-Beirat mit sich selbst als Vorsitzendem geschaffen, der die Arbeit seiner Nachfolger in der Geschäftsführung überwachen soll. Gleichwohl sieht er sich nicht als leicht ersetzbar an, mehrere Vertriebsmanager hat er geholt und wieder ziehen lassen. Die operative Leitung sollen sich drei Geschäftsführer teilen. Neben dem früheren Rewe-Touristiker- und Öger-Tours-Manager Dierk Berlinghoff und dem gerade angetretenen Marketingchef Dieter Zümpel sucht Verhuven noch einen Finanzfachmann. Bis er einen gefunden hat, wird er das Gesicht von Alltours bleiben.

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