Kleines Kriegs-Tagebuch

Reporter ohne Grenzen zählt sie akribisch, die Journalisten, die bei der Berichterstattung aus Krisenregionen ums Leben gekommen sind. Damit deutsche Journalisten seltener – oder besser gar nicht – von Granaten getroffen, von Heckenschützen erschossen oder von Tretminen zerfetzt werden, bietet die Bundeswehr regelmäßig Journalisten-Seminare an. Eine Woche lang lerne ich den Kriegsreporter-Alltag kennen und blogge darüber.

Hügelig ist die Landschaft und grün. Die Rhön. Mitten in dem Mittelgebirge – dort wo sich die gedachten Linien von Fulda nach Würzburg und von Frankfurt nach Bamberg kreuzen – liegt Hammelburg. Und drei Kilometer entfernt von der Kleinstadt befindet sich das Lager Hammelburg. In der Infanterieschule Saaleckkaserne – Anschrift ist doch tatsächlich Rommelstraße 31 (mh!) – befindet sich das VN AusbZ Bw. Diese Abkürzung im Militärjargon steht für das Vereinten Nationen – Ausbildungszentrum der Bundeswehr.

Wer mit Scharz-rot-gold-Abzeichen am Arm in Afghanistan oder im Kosovo den Frieden sichern soll, hat dort seine Seminare absolviert. Und auch viele Berichterstatter haben dort an Lehrgängen teilgenommen. Von der Kriegsberichterstattern bei ARD und ZDF waren die meisten da. Es ist eine Auflage, sich von den Heeres-Experten schulen zu lassen, bevor es in die unkämpften Regionen geht. Diese Woche bin auch ich vor Ort.

Sind Kriegsberichterstatter übervorsichtig? Oder arbeiten sie täglich an der Schwelle zum Tod? Geben die Spezialisten von der Bundeswehr hilfreiche Tipps? Oder wollen sie bloß für ihren offiziellen Standpunkt werben und aus Seminarteilnehmern gute ‚embedded journalists’ machen? Könnte ich in einer Krisenregion sicher bestehen? Oder setze ich zu spät zum Sprung aus dem Heckenschützen, so dass ich in der Realität schon getroffen wäre?

Eine Woche Erlebnisblog aus der Rhön, die für mich nun fiktiv zum Kriegsgebiet werden soll, in dem das Land genauso verteidigt wird, wie am Hindukusch. Wie reagieren bei Beschuss oder bei versteckten Minen, mit in unbekanntem Gelände mit Kompass und Karte zurecht finden, wie bei Gefechten und Sprengungen in Deckung gehen, an Kontrollpunkten nicht legitimierter Milizen die Ruhe bewahren und wie lebend aus einer Geiselnahme freikommen – das alles und mehr hier während der nächsten Tage.

Alle Folgen:

Folge 1: Kleines Kriegs-Tagebuch
Folge 2: Hammelburg
Folge 3: Eingerückt
Folge 4: Ein Schuss und eine Granate
Folge 5: Nord gegen Süd
Folge 6: Betreten
Folge 7: Auftrag und Bearbeitung
Folge 8: Im Gefecht
Folge 9: Gewehrmündung im Gesicht
Folge 10: Auftrag und Ideologie
Folge 11: Entführung
Folge 12: Aus Schaden wird man klug

Dieser Betrag erschien zuerst im Blog Vanity Care.

Mehr auf timo-kotowski.de

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