Fliegen, Arbeiten, Spielen

F.A.Z. vm 30. August 2014 Der Kollege ist dann mal weg. Geschäftsreise. 171 Millionen Mal kam das 2013 in deutschen Unternehmen vor. Mehr als 48 Milliarden Euro kosteten die Fahrten, hat der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) errechnet. Reisen gehört zum Geschäftemachen dazu – Internet und Videokonferenzen haben daran wenig geändert.

Dennoch sorgen Web und Smartphone dafür, dass einiges durchgewirbelt wird. Die Zeiten des Residierens in besten Hotels sind vorbei. Mitarbeiter auf Reisen legen auf andere Annehmlichkeiten wert. Unternehmen tun sich äußerst schwer, ihren Beschäftigten diese zu verwehren. Schließlich wollen sie im Kampf um Fachkräfte als attraktiver Arbeitgeber erscheinen. Fünf Entwicklungen bei Geschäftsreisen.

Jeder so, wie er mag
Schluss mit der Eintönigkeit. Nicht wenige Manager sind der Standardhotels überdrüssig. Dem einen gefällt das Design nicht mehr. Der Nächste hat praktische Gründe, um aus Routinen auszubrechen. Liegt das Stammhotel auf der falschen Seite der Stadt, sind lange Wege nötig. Kommt ein Stau in einer Metropole dazu, kostet die Fahrt vom Hotel Zeit und Nerven. Ist für die Nacht in einer alternativen Herberge auch weniger zu zahlen, verlässt der findige Manager mit einer eigenmächtigen Buchung traditionelle Wege. Was im Einzelfall günstig erscheint, treibt den Geschäftsreiseverantwortlichen daheim an den Rand der Verzweiflung. Zu viele im Stammhotel fehlende Buchungen können Großkundenstatus und Rabatte gefährden, Reisen langfristig also verteuern. Dazu trägt die wachsende Zahl der Individualisten bei: Sie wollen lieber in eine weniger uniforme Unterkunft, die sie auf Portalen wie Airbnb reservieren.

Jetzt geht’s App
Samsung Galaxy oder iPhone sind zu ständigen Begleitern auf Reisen geworden. Warum also nicht die Dienstreise genauso auf dem Telefonbildschirm planen wie den Wochenendtrip? Schließlich hat jede Fluggesellschaft, jede Hotelkette eine entsprechende App kreieren lassen. Das Buchungstohuwabohu ist durch Smartphones nur noch bunter geworden. Große Konzerne als Arbeitgeber halten mit eigenen Reiseapps gegen, die nur freigebene Partnerhotels und spezielle Flugtarife anzeigen. Gleichzeitig sorgt die schöne Technikwelt bei Sicherheitsverantwortlichen für Sorgenfalten: In welcher Funkzelle war ein Smartphone eingewählt, als die Umbuchung erfolgte? In der iPhone-Epoche muss das nicht geheim bleiben. Eine geplante Übernahme lässt sich möglicherweise erahnen, weil Manager via App vom Sitz des Kaufkandidaten Reisen planen.

Der will doch nur spielen
Fragen und Antworten – das genügte, um die App „Quizduell“ zum Download-Hit aufsteigen zu lassen. Den Trend zum Raten und Rätseln haben kreative Entwickler genutzt, um Spiele zu Reiserichtlinien zu gestalten. Nachwuchsmanager sind vernetzt und technikaffin, sie scheinen für das Lernen im Telefonspiel empfänglich. Mit „Go Time“, „Travel Points“ und „Game On“ haben Geschäftsreisedienstleister mittlerweile Anwendungen eingeführt oder in der Testphase, mit denen Manager richtlinienkonformes Reisen spielerisch lernen sollen – die „Gamification“ der Geschäftsreise schreitet voran. Statt Eigensinnige für Reiseeskapaden zu bestrafen, indem Kosten nicht erstattet oder in Extremfällen Abmahnungen ausgesprochen werden, soll regeltreues Verhalten belohnt werden – mit Punkten, die sich wie Bonus-Meilen gegen Prämien tauschen lassen. Natürlich ließen sich auch Bestenlisten der bravsten Dienstreisenden erstellen. Was in den Vereinigten Staaten Anhänger findet, dürfte in Deutschland aber an Datenschutzbedenken scheitern.

Nicht ohne meine Tochter
New York, Rio, Tokio – wenn man schon mal vor Ort ist, dürfen Frau und Kinder nicht fehlen. Dienstreisen mit Urlaubstagen mit der Familie zu verknüpfen wird beliebter. Doch das Auseinanderrechnen von privaten und dienstlichen Reiseabschnitten ist kompliziert. Muss ein Arbeitgeber den Interkontinentalflug komplett bezahlen, weil die Strecken sowieso zurückgelegt werden mussten? Oder hat der Geschäftsreisende einen Eigenanteil zu tragen, weil er sich nach seinen Termine vergnügliche Stunden gönnte? Grundsätzlich die Familie zu einer Tagung hinterreisen zu lassen gilt dennoch zunehmend als akzeptiert. Im Konkurrenzkampf wollen Arbeitgeber Angenehmes ermöglichen – wenn schon der Standardplatz in Business-Class des Flugzeugs gestrichen ist.

Und Kollege Meier fährt auch mit
Konzernzentralen sind Bürokomplexe mit Parkhäusern. Wenn Beschäftigte Fahrgemeinschaften bilden, lassen sich Abgase und Fahrtkosten senken – und die Zahl persönlicher Kontakte im Kollegenkreis wächst. Auch zum Flughafen oder zu Tagungsorten entlang einer Autobahn ließe sich gemeinsam aufbrechen. Erste Konzerne experimentieren mit Fahrgemeinschaftsplattformen und Carsharing-Flotten. Für die Umwelt mag das gut sein, doch nicht jedem Mitarbeiter dürfte es gefallen, den Abteilungsleiter als Beifahrer zu haben. Ein positiver Aspekt bleibt: Mitarbeiter fahren vorsichtiger, wenn ein Beifahrer im Auto sitzt: Die Unfallzahlen sinken.

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