Reisekatalog überlebt Otto-Katalog

F.A.Z. vom 1. Dezember 2018. Urlaubsanbieter wollen Papier an anderer Stelle sparen.

Prominente Schönheiten hat es auf den Titelblättern von Reisekatalogen kaum gegeben – anders zum Beispiel als auf dem Hauptkatalog des Otto-Versands. Die Badeanzug-Models blieben stets namenlos, wenn sie für Urlaub mit TUI, Thomas Cook oder Alltours warben. Bei Otto hingegen wurden Claudia Schiffer und Giselle Bündchen abgebildet. Doch die Prominenz auf dem Titelblatt hat nicht verhindert, dass das Versandkompendium nun eher eingestellt wird als die Reisekataloge. Deren Ende sei nämlich im Online-Zeitalter keineswegs nahe, beteuern Reisekonzerne, nachdem die letzte Ausgabe des Otto-Katalogs erschienen ist.

Zwar räumt Reise-Marktführer TUI ein, dass die Hochzeit der Druckwerke vorbei sei. Doch es finden sich noch Millionen Abnehmer, die Kataloge durchblättern und nach der Lektüre auch buchen. Überflüssig seien die Hefte nicht. Nach Angaben der Marktforscher der GfK wurden 2017 erst 40 Prozent aller Reisen über ein Online-Portal gebucht. Für Zimmer in Großstadthotels und Bahnfahrten ist der Anteil höher, für Pauschalreisen, die den Hauptinhalt der Kataloge bilden, niedriger. Von 33,7 Milliarden Euro Buchungsumsatz der Reiseveranstalter in Deutschland kamen 23,9 Milliarden Euro 2017 aus dem Geschäft mit Katalogen und Reisebüros. Was nicht heißt, dass die Kunden dort komplett auf Online-Recherchen verzichten. Ein psychologischer Aspekt spreche zudem für den Katalog: Nach einer Beratung im Reisebüro gingen Kunden ungern mit leeren Händen heim, heißt es in der Branche.

Einen Hauptkatalog, in dem Otto über Jahrzehnte Bekleidung, Waschmaschinen und Kleiderschränke präsentierte, geben Reiseveranstalter zudem nicht heraus. Es gibt ein Heft für spanische Inseln, eines für die Türkei, eines für die Karibik. Zuletzt kamen Prospekte hinzu, die sich an zahlungskräftige Kunden, Familien mit Kindern oder Reisende mit Spezialinteressen richten. Öger-Tours lässt sogar ein Heft drucken, in das nur Hotels mit vielen oder spektakulären Wasserrutschen aufgenommen werden.

Weniger Papier sollen Urlauber dennoch bekommen. TUI und Thomas Cook wollen weiter Fotos und Kurztexte zu Hotels abdrucken, nicht aber mehrere hundert Seiten dicke Beilagen mit Preistabellen. Während für die Bluse im Otto-Katalog ein Preis genügte, gibt es für eine Pauschalreise viele, die nach Anreisetag, Zimmerlage, Abflugsort in Deutschland und Zahl der Mahlzeiten vor Ort variieren. Der Deutsche Reiseverband fordert Gesetzesänderungen, damit die Branche 3000 Tonnen Papier im Jahr sparen könne.

Einfacher war es, auf gedruckte Reiseunterlagen zu verzichten. Am Flughafen und im Hotel genügt mittlerweile der Personalausweis, Zettel sind unnötig. TUI verbannte sie als Erster. Andere folgten. Wer nach einer Buchung einer Thomas-Cook-Reise nicht auf die Ausdrucke verzichten will, kann sie sich für 3 Euro zuschicken lassen.

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